04. August 2011, 20:05 Uhr

Frankfurt zeigt Schau über Städtebauer Ernst May

»Neue Städte auf drei Kontinenten«: Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt präsentiert das Leben und Werk des Städtebauers Ernst May.
04. August 2011, 20:05 Uhr
Da geht’s lang: Ernst May als lebensgroße Pappfigur in der Frankfurter Ausstellung zu seinem 125. Geburtstag. (Foto: dkl)

Das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM) nimmt den 125. Geburtstag von Ernst May (1886 - 1970) zum Anlass, um dem Architekten und Städtebauer Ernst May eine umfangreiche Ausstellung zu widmen. Er gilt als einer der überragenden Figuren der klassischen Architekturmoderne. May begann seine Karriere im Kaiserreich und konnte noch im Westdeutschland der 1960er Jahre markante Spuren hinterlassen. Durch die politischen Zeitläufe verschlug es ihn in verschiedene Länder und sogar nach Ostafrika, seine Spuren finden sich auch in Rumänien, Polen, Frankreich und Russland.

Dass Frankfurt besonders stolz ist auf den hier Geborenen, das hat vor allem mit dessen Wirken als Leiter des Stadtbauamts in den Jahren 1925 bis 1930 zu tun. May und sein Team legten für zahlreiche Siedlungen am Stadtrand den planerischen und baulichen Grundstein, etwa für die Römerstadt oder die Riederwaldsiedlung. Frankfurt wurde neben Stuttgart und Berlin zum Musterbeispiel für die Großstadt der Moderne. Mays Bauen war von den sozialen Ideen der englischen »Gartenstädte« geprägt; er hatte dort als Student ein Praktikum gemacht. Nach Ende des Ersten Weltkriegs folgte seine erste Karrierestufe als Siedlungsplaner: In Schlesien entwickelte er das Gartenstadtmodell weiter zur »Trabantenstadt«.

In Frankfurt entstanden ab 1925 in kurzer Zeit 12 000 Wohnungen, die nach neuesten technischen und hygienischen Gesichtspunkten sowie mit der neuen Methode des Bauens mit vorgefertigten Teilen umgesetzt wurden. Soziale Einrichtungen wie Gemeinschaftshäuser und Kindertagesstätten konnten nicht überall realisiert werden. Untrennbar verbunden ist das Bauen der May-Truppe mit der »Frankfurter Küche«, die von Magarete Schütte-Lihotzky entwickelt wurde; das Vorbild aller späteren Einbauküchen ist in der Ausstellung zu sehen, ebenso historische Filme zur praktischen Nutzanwendung neuer Haushaltsgeräte. Viele Siedlungshäuser waren so nicht nur mit eigenen Gärten zur Selbstversorgung ausgestattet, sondern auch mit einer kompletten durchgeplanten Kücheneinrichtung. Ein Musterhaus hat die auf Spenden angewiesene Ernst-May-Gesellschaft in privater Initiative und mit jahrelangem Engagement wieder original hergerichtet, es ist in der Römerstadt-Siedlung zu besichtigen (www.ernst-may-museum.de).

1930 nahm May neue Herausforderungen in den UdSSR an. Nach Vertragsende und politischem Umbruch in Russland ging er nach Britisch-Ostafrika. Doch währte seine Zeit als Kaffeepflanzer nur kurz, schon bald arbeitete er auch hier wieder als Architekt und Siedlungsplaner.

Nach Kriegsende bewarb sich May bei den Alliierten um diverse Posten in Deutschland, doch vergeblich. Erst 1954 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Hamburg nieder. Seine Erfahrungen als Siedlungsplaner waren im kriegszerstörten Deutschland gefragt, so dass der fast Siebzigjährige noch ein umfangreiches Spätwerk schaffen konnte. Seine architektonische Sprache veränderte sich, die Trabantenstädte wurden zu den heute ungeliebten Hochhaussiedlungen.

Ernst Mays abwechslungsreiches Leben führte durch drei Kontinente und verschiedene gesellschaftliche Systeme. Sein Wirken war immer wieder betroffen von politischen Entscheidungen, denen er sich stellte. Seine Biografie allein ist eine ausgesprochen spannende Lektüre. Sein Werk ist in Einzelaspekten bereits vorgestellt worden, doch bietet die aktuelle Ausstellung im DAM erstmals eine Gesamtübersicht. Die Fülle der Originaldokumente ist atemberaubend, von Planzeichnungen bis zu privaten Fotografien, dazu kommen Architekturmodelle und Einrichtungsobjekte. Faszinierend sind die zahlreichen Skizzenbücher, die May als hervorragenden Zeichner ausweisen.

Die Ausstellung führt entlang der Biografie durch die verschiedenen Lebensstationen, die jeweils mit Texttafeln optisch und inhaltlich angemessen erläutert werden. In dem reich bebilderten Katalog (Prestel Verlag, 39 Euro), wird das Ganze vertieft.

Zu erleben ist die gelungene Präsentation bis 6. November, öffentliche Führungen jeweils samstags und sonntags um 15 Uhr. Außerdem gibt es einen Flyer, der die Siedlungen des Neuen Bauens in Frankfurt übersichtlich präsentiert und zu Besuchen einlädt. Dagmar Klein



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