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Bon Jovi live in Dresden

Silberhochzeit plus zwei Jahre: Bon Jovi gibt sich in Dresden die Ehre und spielt Hits aus drei Jahrzehnten.
15. Juni 2011, 18:55 Uhr
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»Born to be my baby«: Jon Bon Jovi gibt dem Mikroständer Saures, Keyboarder David Bryan gefällt's. (dpa)

Petrus sei Dank, das Wetter hält. Kein Tropfen Regen stört die Open-Air-Konzert-idylle auf der Festwiese im Ostragehege Dresden. Die Fans trinken Bier und lauschen mit einem Ohr unaufgeregt The Breakers, der letzten Band vor Bon Jovi. Gleich halb acht. Alles wartet geduldig auf den großen Gig. Die eigentlich genialen Breakers bedanken sich für den lahmen Applaus und verlassen die Bühne. Jetzt wird das Publikum ganz zappelig, reckt die Hälse. Keiner will den Auftritt verpassen, den ersten Blick auf Jon Bon Jovi, Richie Sambora, David Bryan und Tico Torres.

Dann geht's los. Bon Jovi stürmt die Bühne, die ersten Töne von »Born to be my baby« gehen unter im Jubel von 30 000 Fans. Nostalgie bricht aus, 80er-Jahre-Gefühle. Wenn man nicht längst erwachsen wäre, würde man jetzt hysterisch schreien, so singt man nur mit. Jon sucht den Blickkontakt zu seinem Publikum, gelobt voller Inbrunst »I'll be there for you« und die Festwiese versinkt in einem Lichtermeer. So muss das sein, so war es immer.

Die neuen Songs müssen eigentlich nicht sein, aber Bon Jovi will seine neue Platte präsentieren, und die Fans klatschen höflich, auch wenn früher alles besser war, besonders die Musik. Bon Jovi weiß das und spielt die alten Hits. Das Publikum rastet aus, schwingt die Hüften zu »Bad medicine«,
»Livin' on a prayer«, »Lay your hands on me« und »You give love a bad name«, und schwört den Jungs aus New Jersey ewige Treue: »Keep the faith«-T-Shirts, so weit man auf die Festwiese blicken kann.

Jon ist gerührt und bedankt sich bei den Fans. Von 27 Jahren Treue ist die Rede, das ist ein Wort. 27 Jahre, das sind Silberhochzeit plus zwei Jahre. Und das in Zeiten, in denen kaum eine Ehe überlebt.

Klar, alle sind in die Jahre gekommen. Den Fans schmerzt um zehn Uhr vom langen Stehen der Rücken, Richie übergibt das ein oder andere Solo an seine Musikerkollegen. Trotz alledem: Bon Jovi gehört immer noch zu den ganz Großen, ist und bleibt »the first
choice«. Die Band strotzt vor harmonischer Kraft und Vitalität, verströmt rhythmische Sicherheit, aber keine Routine. »Runaway« klingt frisch und spritzig wie am ersten Studiotag. Das macht Spaß. »Have a nice day«, wünscht Jon kurz vor Schluss und entlässt die Fans in die laue Sommernacht.

Christina Rühl

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/art68,59994

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