20. Dezember 2010, 17:30 Uhr

Spitzentanz steht beim »Nussknacker« hoch im Kurs

Für alle Liebhaber des klassischen Tanzes bot das St. Petersburger Staatsballett in der Jahrhunderthalle Frankfurt Höchst am Samstagabend eine Vorstellung des »Nussknackers« in der Choreografie von Lew Iwanow und Marius Petipa.
20. Dezember 2010, 17:30 Uhr
Schneeflöckchen, Weißröckchen: Die Hebefiguren der Protagonisten gelangen in Frankfurt märchenhaft sicher. (Agenturfoto)

An Weihnachten liegt man mit guten alten Traditionen voll im Trend. Baum aufstellen, Lieder singen und die Liebsten beschenken – alle Jahre wieder das gleiche behagliche Prozedere. Für viele darf da auch Tschaikowskys »Nussknacker« nicht fehlen, die bezaubernde Geschichte von der kleinen Maria und ihrem märchenhaften Prinzen. Für alle Liebhaber des klassischen Tanzes bot das St. Petersburger Staatsballett in der Jahrhunderthalle Frankfurt Höchst am Samstagabend eine Vorstellung des »Nussknackers« in der Choreografie von Lew Iwanow und Marius Petipa.

Die Fabel des Balletts, die auf einer Erzählung E.T.A. Hoffmanns basiert, fasziniert seit jeher alle Generationen: Marie bekommt zu Weihnachten von ihrem Patenonkel Drosselmeier einen eher unansehnlichen Nussknacker geschenkt und träumt in der Nacht davon, dass ihr neues und schnell lieb gewonnenes Spielzeug sich in einen Märchenprinzen verwandelt. Dank der sagenhaften Kostüme und des märchenhaften Bühnenbilds des St. Petersburger Staatsballetts hatte am Abend auch das Frankfurter Publikum teil an der Welt der Träume und Sehnsüchte. Besonders die jüngeren Zuschauer kamen auf ihre Kosten: Geschwind huschende Mäuse mit pink leuchtenden Augen, ein possierlich anmutendes Chinesenpärchen und ein raumgreifender Drosselmeier zauberten ein Lächeln auf die Lippen der Kleinen.

Weniger zur allgemeinen Freude trug die musikalische Untermalung des Geschehens auf der Bühne bei. Die geniale und viel zitierte Komposition von Peter I. Tschaikowsky degenerierte zur schlecht ausgesteuerten Randnotiz: Statt des klaren Klangs eines Sinfonieorchesters schallten die einzelnen Sätze der Ballett-Sinfonie per Lautsprecher durch die Jahrhunderthalle. Da blieb es nicht aus, dass die hohen Bläser- und Streicherpassagen das Ohr stark strapazierten. Tschaikowsky aus der Konserve – das tö(r)nte ab.

Auch von den Tänzern hätte man das eine oder andere Highlight mehr erwartet – überrascht wurde man als Zuschauer an diesem Abend nicht. Die Choreografen legten in der Inszenierung Wert auf die Ästhetik der goldenen Epoche, der Spitzentanz stand hoch im Kurs. Schneeflöckchen, Mäuse und Soldaten präsentieren das technische Können des klassischen Balletts.

Der zweite Akt mit dem großen Divertissement war mit seiner Reihe von Charaktertänzen unterhaltsam anzuschauen: Der spanische und russische Tanz überzeugten mit Verve und Sprungkraft; der französische mit Eleganz. Die »arabischen Damen« hatten allerdings die eine oder andere harte Nuss zu knacken – das orientalische Schmiegen geriet alles andere als synchron. Hinreißend hingegen der Pas de deux der beiden brillant-leichtfüßigen Protagonisten: Mit eleganten, weichen Bewegungen entstammten Alexander Woytin und Anna Woytina wahrlich dem Zauberreich des Guten und Schönen. Mit sicheren Hebefiguren, sauberen Sprüngen und schnellen Pirouetten tanzten sie sich ins Herz der Zuschauer – einer Einstimmung auf Weihnachten stand nichts mehr im Wege.

Christina Rühl

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