04. August 2009, 17:48 Uhr

Faszinierende Interpretation in imposanter Basilika

Auf Barenboims großes Konzert mit der Filarmonica della Scala, Raschers Saxophone Quartet unter Dennis Russell Davies und Rodion Shchedrins Oratorium »Der versiegelte Engel« folgte für die Besucher des Rheingau Musik Festivals in Kloster Eberbach eine mit gut zwanzigminütigem Applaus bedachte weitere Sternstunde: Haydns »Schöpfung« in der faszinierenden Interpretation Enoch zu Guttenbergs.
04. August 2009, 17:48 Uhr
In der Basilika am Pult: Dirigent Enoch zu Guttenberg (r.). (Foto: RMF)

Kein Raum wäre besser geeignet gewesen für diesen einem Gottesdienst gleichkommenden, tief gefühlten Dank an den Erschaffer von Himmel und Erde als die imposante Basilika der ehemaligen Zisterzienser-Abtei, in der anlässlich seines 200.Todestages Haydns gedacht wurde.

»Die Schöpfung« in sakralen Räumen aufzuführen, ist heute selbstverständlich. Doch die vom Komponisten geleitete Wiener Uraufführung fand vor geladenen Gästen 1778 im Palais Schwarzenberg statt: Die Kirchen erachteten das auf Miltons religiösem Versdrama »Paradise lost« basierende Oratorium als »zu diesseitig«, vermuteten gar freimaurerisches Gedankengut darin und sperrten sich gegen die Aufführungen. Haydn, der sich ganz sicher war, das sein in »Ehrfurcht und Liebe« geschaffenes Werk einer Predigt gleichkam und »kein Gotteshaus entheiligen werde«, kämpfte um dessen Anerkennung. Der Siegeszug des 1779 allein in Wien über 40 Mal gespielten Oratoriums war nicht mehr aufzuhalten: Die Schweiz, Italien, Spanien, England, Russland und sogar Amerika folgten schnell.

Die erste Anregung zum Werk dürfte Haydn vermutlich in London bekommen haben, wo er 1771 in Westminster Abbey einem Händelfestkonzert beiwohnte und den »Messiah« hörte. Der bekannte Konzertveranstalter Johann P. Salomon bot ihm das Textbuch zu »Paradise lost« an, aber Haydn konnte kein Englisch. Da griff ein bedeutender Förderer des Wiener Musiklebens, Baron van Swieten, ein. Er sorgte für ein deutsches Libretto: mit klarem, dreiteiligem Aufbau des Werks, das mit der Vorstellung des Chaos als Orchestereinleitung beginnt. Es folgen die ersten sechs Schöpfungstage mit dem Erscheinen der Elemente, Gestirne, Jahreszeiten und Lebewesen. Der im Garten Eden spielende dritte Teil findet in der Erschaffung der ersten Menschen seinen Höhepunkt und endet mit dem vom Chor und Sopran gesungenen »Singet dem Herrn alle Stimmen« und dem »Amen«.

Die von Guttenberg 1967 gegründete berühmte Chorgemeinschaft Neubeuren und das im gleichen Jahr speziell zur Umsetzung von Guttenbergs künstlerischen Ideen gegründete Orchester der KlangVerwaltung rissen das Publikum in der ausverkauften Basilika zu verdientem Beifallssturm hin: eine behutsam, aber zwingend mit tonmalerischen Mitteln arbeitende Komposition, die Donner, Blitz und prasselnden Regen musikalisch ebenso sinnfällig zu Gehör bringt wie das Gebrüll des Löwen und den Gesang der Nachtigall.

Am beispielhaften Gelingen der Aufführung entscheidend beteiligt waren drei Solisten: der als Bach-Interpret bekannte Schweizer Tenor Jörg Dürrmüller (Uriel), der am Kasseler Staatstheater den Erik in Wagners »Fliegendem Holländer« singen wird, die israelische Sopranistin Chen Reiss (Eva) und der für den erkrankten York Speer eingesprungene Münchner Bariton Martin Danes, der den Adam sang. Ein Glücksfall! Berückend schön und ausdrucksvoll der von Freude durchglühte, beseelte Zwiegesang beider: »Mit Dir ist Seligkeit das Leben, Dir sei es ganz geweiht«. Britta Steiner-Rinneberg

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