06. Mai 2009, 22:58 Uhr

Fast wie »Phoenix« aus der Asche

Es ist schon ein Elend mit den sogenannten Classic-Rock-Bands. Irgendwann zerstreiten sie sich, gehen getrennte Wege, merken, dass es mit der Solokarriere oder neuen Bands doch nicht so das Wahre ist und entdecken dann ihre ruhmreiche Vergangenheit wieder. Manchmal ist es ein Jubiläum, das die alten Haudegen von damals dazu bringt, sich wieder zusammenzuraufen: Im Oktober werden Mott the Hoople mit ihrem jetzt 70-jährigen Sänger Ian Hunter in London zu ein paar Konzerten anlässlich des 40-jährigen Bandjubiläums zusammenkommen, bei Led Zeppelin ging es Ende 2007 auch ohne Jubiläum.
06. Mai 2009, 22:58 Uhr
Beim Benefizkonzert in Offenbach: Gitarrist Ray Hatfield und Ash-Bassist und Sänger Martin Turner (r.). (Foto: Cordes)

Es ist schon ein Elend mit den sogenannten Classic-Rock-Bands. Irgendwann zerstreiten sie sich, gehen getrennte Wege, merken, dass es mit der Solokarriere oder neuen Bands doch nicht so das Wahre ist und entdecken dann ihre ruhmreiche Vergangenheit wieder. Manchmal ist es ein Jubiläum, das die alten Haudegen von damals dazu bringt, sich wieder zusammenzuraufen: Im Oktober werden Mott the Hoople mit ihrem jetzt 70-jährigen Sänger Ian Hunter in London zu ein paar Konzerten anlässlich des 40-jährigen Bandjubiläums zusammenkommen, bei Led Zeppelin ging es Ende 2007 auch ohne Jubiläum.

Komplizierter wird es, wenn mehrere der zerstrittenen Ex-Mitglieder gleichzeitig auf die Idee kommen, noch mal mit den Pfunden der guten alten Zeit zu wuchern. Dann gibt es beispielsweise Barclay James Harvest zweimal: als »BJH through the Eyes of John Lees« und als »BJH feat. Les Holroyd«.

Auch Wishbone Ash, die englischen Pioniere der doppelten Leadgitarre, haben in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag zu feiern, doch die Bandhistorie ist komplex. Gitarrist Andy Powell - der mit der pfeilförmigen Gibson »Flying V« - hat sich 1998 ohne Einverständnis der ehemaligen Urkollegen den Namen Wishbone Ash gesichert, nimmt seit Jahren neues Material auf und hat 2008 mit seinem Quartett den LP-Klassiker »Argus« (1972) live im Studio neu eingespielt.

Martin Turner (61) hingegen, der »Ash« 1969 in Torquay gegründet hatte, wurde nach gut zehn Jahren vor die Tür gesetzt, durch Bassisten wie John Wetton oder Trevor Bolder ersetzt, später für eine Neuauflage der Urbesetzung wieder ins Boot geholt und dann wieder gefeuert. Als hoch melodisch spielender Bassist, Hauptsänger und wesentlicher Komponist muss er sich heute dennoch mit der Namenserweiterung Martin Turner’s Wishbone Ash zufriedengeben - was ihn aber nicht daran hindert, ebenfalls eine Neueinspielung von »Argus« vorzulegen. Am Dienstag gastierte die Martin-Turner-Version von WA zum ersten Mal in Deutschland: im Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum (KJK) Sandgasse in Offenbach. Das war eine kleine Sensation für den Veranstalter, der seit Jahren benachteiligte Jugendliche in Musikprojekten fördert. Das Benefizkonzert mit der prominenten Gruppe zum 20-jährigen Bestehen des KJK war ein Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm. Turner mit seinem imposanten Gibson-Bass war gut bei Stimme, wenn auch die ganz hohen Töne nicht mehr so souverän aus der Kehle kamen.

Aber Ash-Musik hat ja schon immer auf mehrstimmigen Gesang gebaut, und so fiel es nicht negativ auf, dass der quirlige und gut aufgelegte Turner beim Refrain zu »Warrior« nicht mehr die Oberstimme sang.

Wichtiger war ohnehin das einfallsreiche Bassspiel des Frontmanns, das im Grunde eine dritte Gitarrenstimme bildete, sodass die beiden Gitarristen Ray Hatfield und Morris Douglas immer wieder zu ihren legendären Unisono-Flügen ansetzen konnten - besonders schön im elegischen »Phoenix«. In der ersten Hälfte gab es eine kleine Auswahl an Ash-Klassikern der Turner-Ära vom eingängigen »Why don’t we« über »Pilgrim« bis zu »You see red«, aber Feierstimmung kam erst bei der trotz aller Gitarrenpower wunderbar melancholischen, folk-inspirierten Musik von »Argus« auf, die stimmungsmäßig, musikalisch und thematisch manchmal an die härtere Band Thin Lizzy erinnert. Dazu gehören Titel wie »Leaf and stream« oder »Throw down the Sword«.

Improvisiert wurde aufgrund der stark durcharrangierten Songstrukturen recht wenig, dennoch geriet die Wiedergabe der Klassiker intensiv, teilweise hingebungsvoll. Nur in der letzten Zugabe »Jail bait«, die auf einem einfachen Blues-Schema beruht, ließen es die Vier von der Insel mal etwas freier angehen. Axel Cordes

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