17. Februar 2009, 18:18 Uhr

»Frankfurt ohne Suhrkamp - na, und?«

»Frankfurt ohne Suhrkamp - na, und?« hieß der trotzige Titel einer Podiumsdiskussion, zu der das Frankfurter Literaturhaus eingeladen hatte. Dass der seit Wochen diskutierte Wegzug des renommierten Verlagshauses nach Berlin vielen Frankfurter Kulturinteressierten mehr als ein »na, und?« bedeutet, zeigte sich an der großen Besucherzahl. Auf dem Podium nahmen die Literaturkritiker Arno Widmann, Hubert Spiegel, Kulturdezernent Dr. Felix Semmelroth und die Autoren Eva Demski, Wilhelm Genazino und Andreas Maier Stellung zur Suhrkamp-Debatte. Im Auditorium verfolgten unter anderen Verleger und Geschäftsführer die Diskussion.
17. Februar 2009, 18:18 Uhr
»Ein Schritt, den man bedauern muss«: Kontrovers wurde in Frankfurt über den Weggang des Suhrkamp-Verlages diskutiert. (Foto: Hofmann)

»Frankfurt ohne Suhrkamp - na, und?« hieß der trotzige Titel einer Podiumsdiskussion, zu der das Frankfurter Literaturhaus eingeladen hatte. Dass der seit Wochen diskutierte Wegzug des renommierten Verlagshauses nach Berlin vielen Frankfurter Kulturinteressierten mehr als ein »na, und?« bedeutet, zeigte sich an der großen Besucherzahl. Auf dem Podium nahmen die Literaturkritiker Arno Widmann, Hubert Spiegel, Kulturdezernent Dr. Felix Semmelroth und die Autoren Eva Demski, Wilhelm Genazino und Andreas Maier Stellung zur Suhrkamp-Debatte. Im Auditorium verfolgten unter anderen Verleger und Geschäftsführer die Diskussion.

Eigentlich zu einer gewissen »Neutralität« verpflichtet, bekannte der Literaturkritiker und Moderator des Abends, Martin Lüdke: »Suhrkamp, das ist meine Kindheit und meine Jugend.« Wenn der Umzug des Verlags nun mit einer »Missachtung in Frankfurt« begründet werde, sei dies für ihn empörend.

In einer Art Vorwort versuchte Wolfgang Schneider, Vorsitzender des Suhrkamp-Betriebsrats, die Diskussion zu erden. »Hier läuft eine unwahrscheinliche Geschichte ab. Vor einer Woche erst haben wir offiziell vom Umzug erfahren. Daran hängen 160 Beschäftigte mit ihren Familien, die entweder nach Berlin ziehen oder ihren Arbeitsplatz verlieren sollen. Denken Sie bitte daran, wenn Sie das diskutieren«, appellierte er. Nach einer innerbetrieblichen Umfrage hätten sich 84 Prozent der Mitarbeiter gegen einen Umzug ausgesprochen, acht Prozent hätten sich enthalten und nur sieben Prozent dafür ausgesprochen. Mit Lüdkes Hinweis, dass man bei aller Diskussion diesen Aspekt beachte, war hierzu eigentlich schon alles für diesen Abend gesagt.

Diskutiert wurde hauptsächlich über das Verhältnis zwischen Frankfurt und dem Suhrkamp-Verlag und über die berühmte »Suhrkamp-Kultur«, die hauptsächlich aus dem Temperament Siegfried Unselds bestanden haben soll, der immer versucht habe, den Kritikern und Feuilletonisten seine Autoren »ins Gehirn zu drücken«, wie Lüdke sich erinnerte.

Eine Änderung dieser »Suhrkamp-Kultur« sei durch einen Wechsel nach Berlin möglich, argumentierte Widmann. Er sah darin aber keinen Verlust für die Stadt Frankfurt.

Ganz so akut sah Spiegel den Umzug von Suhrkamp wiederum nicht, denn die Klärung verschiedener Fragen könne eine »Hängepartie« von zwei bis drei Jahren bedeuten.

Nicht festlegen lassen wollte sich Suhrkamp-Autor Andreas Maier: »Ich habe mich bei Suhrkamp immer wohl gefühlt.« Zwar deutete die Schriftstellerin Eva Demski mögliche atmosphärische Störungen zwischen der Stadt Frankfurt und dem Verlag an, mochte sich aber ebenfalls zu einem Urteil, ob sie einen Umzug letztlich gut oder schlecht finde, nicht festlegen lassen. »Die räumliche Entfernung zum Verlag ist am unwichtisten.« »Eine dezidierte Meinung kann man nicht haben«, fand auch ihr Kollege Genazino. Schon, weil man die Interna des Verlags nicht kenne.

Kulturdezernent Semmelroth sah in dem Entschluss des Suhrkamp-Verlags »keine normale Entscheidung«. Immerhin seien in einer solchen auch das Selbstverständnis und das Gedächtnis der Stadt enthalten. Die Stadt habe dem Verlag das Haus, in dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels residiere, angeboten. Es liege am Großen Hirschgraben. Dieses Angebot habe Suhrkamp aber nicht angenommen, sondern sich für einen Wegzug entschieden: »Ein Schritt, den man bedauern muss.« aho

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