13. Februar 2009, 19:04 Uhr

Auf dem Weg zu neuen Techniken

Am 5. Februar wäre eine Komponistin 100 Jahre alt geworden, die zu den populärsten und produktivsten polnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gehört: Grazyna Bacewicz. 1909 wurde sie in Lodz in eine polnisch-litauische Familie hineingeboren. Die Eltern waren musikalisch sehr ambitioniert und sorgten dafür, dass alle vier Kinder Instrumentalunterricht erhielten.
13. Februar 2009, 19:04 Uhr
Konzentriert bei der Arbeit: Komponistin Grazyna Bacewicz in den Sechzigerjahren. (Foto: bf)

Am 5. Februar wäre eine Komponistin 100 Jahre alt geworden, die zu den populärsten und produktivsten polnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gehört: Grazyna Bacewicz. 1909 wurde sie in Lodz in eine polnisch-litauische Familie hineingeboren. Die Eltern waren musikalisch sehr ambitioniert und sorgten dafür, dass alle vier Kinder Instrumentalunterricht erhielten.

Grazyna erlernte das Klavier- und Violinenspiel am Lodzer Konservatorium. Von 1928 bis 1932 studierte sie am Konservatorium in Warschau Violine und Komposition, Letzteres unter anderem bei Sikorski und Szymanowsky. Szymanowsky war es, der ihr ein Postgraduiertenstudium bei Nadia Boulanger in Paris empfahl. Dort setzte sich die junge Polin intensiv mit der neoklassizistischen Schreibweise unter anderem von Strawinsky auseinander. Gleichzeitig vervollkommnete sie ihr Geigenspiel bei André Touret und Carl Flesch.

Beim Wienawski-Violinwettbewerb in Warschau erhielt sie 1935 einen Sonderpreis - neben den Erst- und Zweitplatzierten Ginette Neveu und David Oistrach. Bereits in den 1930er Jahren war Grazyna Bacewicz eine berühmte und gefeierte Violinvirtuosin und Komponistin. In ihren Konzerten spielte sie oft eigene Werke. Natürlich spielt die Violine innerhalb ihres Oeuvres mit mehr als 200 Werken die Hauptrolle. Insgesamt hat Bacewicz sieben Violinkonzerte geschrieben, dazu zahlreiche Werke für Violine und Klavier sowie vier Sonaten und vier polnische Capricen für Violine solo.

Auch andere Streicher wurden von ihr reichlich bedacht: mit sieben Streichquartetten, zwei Klavierquintetten und diversen Stücken für Streichorchester. Unter den Streicherwerken finden sich so ausgefallene Besetzungen wie je ein Quartett für vier Violinen und vier Celli, ein Viola-Konzert und ein Andante sostenuto für Violine, Violoncello und Orgel. Außerdem komponierte sie Sinfonien, Ballette und eine Funkoper.

Nach 1955 widmete sich Bacewicz ausschließlich dem Komponieren. In dieser Zeit änderte sie ihren Kompositionsstil. Nachdem sie sich Anfang der 1950er Jahre der neuesten Musik zugewandt hatte, setzte sie nun zunehmend avantgardistische Techniken ein. Werke wie »Contradizione« für Kammerorchester (1966) und »Pensieri notturni«, die unter anderem elektronische Klangerzeuger einbeziehen, zeigen, dass ihr in ihrer Spätphase der Anschluss an die jungen Avantgardisten perfekt gelungen ist. Grazyna Bacewicz wurde zur Symbolfigur der polnischen Musikentwicklung.

Sie wirkte am Aufbruch in die musikalische Moderne ebenso mit wie an dem Übergang von der Moderne zur Avantgarde. Für ihre Kompositionen erhielt sie zahlreiche europäische Preise: Ihre Streichquartette Nr. 4 und 5 wurden in Lüttich ausgezeichnet, ihr 7. Violinkonzert in Brüssel. Für die »Musik für Streicher, Trompeten und Schlagzeug« wurde ihr 1960 in Paris der UNESCO-Preis für Musik verliehen. In ihrem Heimatland war sie überdies als Schriftstellerin erfolgreich. Daneben lehrte sie ab 1966 Komposition am Warschauer Konservatorium. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag, am 17. Januar 1969, starb Grazyna Bacewicz in Warschau.



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