Regional

Aus dem Operettenschmelz ins metallische Timbre

Nach Marion Cotillards überwältigendem Erfolg als Edith Piaf in dem französischen Film »La vie en rose« (2007) wird wohl jede Theaterfrau erschauern, die den legendären »Spatz von Paris« verkörpern soll.
22. Oktober 2008, 16:56 Uhr

Aber Christa Platzer vom Hessischen Staatstheater Kassel absolvierte die Rolle in der Uraufführung von Dirk Schattners »Edith Piaf - ein Leben in Liedern« in Gelsenkirchens Musiktheater im Revier souverän. Immerhin hatte sich die Sopranistin schon als Darstellerin in dem Schauspiel »Piaf« der Amerikanerin Pam Gem bewährt. In Schattners Chanson-Reigen ist vor allem die gesangliche Gestaltung der auch Musical- und Operetten-erfahrenen Sängerin gefordert.

Die traurig-tragische Lebensgeschichte der 47-jährig verstorbenen Französin wird in wenigen kompakten Szenen im raffiniert vielschichtigen, großräumigen »Spiegelkabinett« (Ausstattung: Kathrin-Susanne Brose) skizziert. Holperige, erzählende Zwischentexte, gesprochen von einer Westfälin, stören das ansonsten recht authentische Flair empfindlich. Kongeniale Unterstützung ihrer grandiosen Darstellung und eindrücklichen musikalischen Darbietung erfährt Platzer allerdings durch die vier-köpfige Band, das berühmte vielseitige »Spardosentrio« und Axel Goldbeck, der als musikalischer Leiter auch die Arrangements besorgte und ganz besonders sensibel das Akkordeon spielt.

15 der bekanntesten Chansons - von »Milord« bis »Non, je ne regrette rien« - bilden das Rückgrat der 80-minütigen Show. Überraschender Weise gelingt es offenbar einigermaßen leicht, das metallische Timbre, das scheppernde Vibrato und die schneidende Phrasierung der Piaf zu »imitieren« - wie sich auch in der Ballettversion »La vie en rose« in Essen zeigt und ebenso in dem tschechischen Piaf-Musical.

Damit konnte auch Platzer weitgehend beeindrucken. Nur gelegentlich kippte ihre Stimme bei der Premiere ins geschmeidigere Operettenfach. Das jedoch schmälerte die Leistung der auch optisch sehr authentisch wirkenden Künstlerin kaum. Ihre Bühnenpräsenz und Eleganz sorgen für ein kurzweilig nostalgisches Theatererlebnis.

Marieluise Jeitschko

Nächste Vorstellungen: 25. und 31. Oktober und bis 18. 1. 09 - <%LINK auto="true" href="http://www.musiktheater-im-revier.de" text="www.musiktheater-im-revier.de" class="more"%>

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/art68,24572

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