22. August 2008, 17:34 Uhr

Ein Spötter mit scharfem Scherz

Viele seiner Karikaturen sind brandaktuell, sind aber bereits über 150 Jahre alt. Der fanzösische Maler, Bildhauer, Grafiker und Karikaturist Honoré Daumier (1808 - 1879) beleuchtet bissig die Vielseitigkeit menschlichen Daseins.
22. August 2008, 17:34 Uhr
Honoré Daumier (Abb.: Buch)

Viele seiner Karikaturen sind brandaktuell, sind aber bereits über 150 Jahre alt. Der fanzösische Maler, Bildhauer, Grafiker und Karikaturist Honoré Daumier (1808 - 1879) beleuchtet bissig die Vielseitigkeit menschlichen Daseins. Dieses Jahr wäre er 200 Jahre alt geworden. Anlässlich seines Geburstages im Februar ist ein Drittel seiner über 4000 Lithographien und 1000 Holzschnitte jetzt in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen - mit 250 Werken die größte Daumier-Ausstellung weltweit. Ingrid Mössinger, die Generaldirektorin des Museums und Karin Sagner, Kuratorin der Ausstellung, haben zu Ehren des Künstlers einen zweisprachigen Bildband herausgegeben.

Unterteilt ist das Buch in 13 Kapitel, von denen sich jedes mit einem Themenschwerpunkt seiner Arbeiten befasst. Einleitend schreiben Mössinger und Sagner (auf Französisch und Deutsch) immer etwas zur jeweiligen Schaffensperiode und zu den geschichtlichen und politischen Umständen.

Für seine Karikatur »Gargantua« (1831) wird er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, da er König Luis-Philippe als alles verschlingenden Gargantua darstellt. Damit sicherte er sich allerdings den Ruf als satirischer Karikaturist.

Daumiers Lithographien bringen einen teilweise zum Lachen, sind gespickt mit schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik. Sie »entlarven das Allgemeine im Individuellen«, schreibt Mössinger.

Daumier widmete sich tagesaktuellem Geschehen in der Zeitung »Le Charivari«, nimmt Sprichwörter und Grundsätze aufs Korn oder führte seine Vorstellung von Eigenbrötlern vor. Damit stellte er die wunderlichen Angewohnheiten seiner Mitmenschen heraus. Er »verspottet den Bürger, ohne dabei herablassend zu wirken«, schreiben die Herausgeberinnen im Vorwort. Genau das macht seine Bilder so sehenswert. Es werden Menschen dargestellt, in denen sich auch der heutige Betrachter wiederfinden kann. Es geht um Familienstreit, Männerfreundschaften, die Emanzipation der Frauen und um Kritik an Politikern. Sehr gelungen ist dabei die Serie »Menschenfreunde von heute« in der der Künstler die theoretische Beschäftigung der besser gestellten Gesellschaft mit der Armut im 19. Jahrhundert kritisiert: »Man rettet nur aus der Ferne, um der Belohnung willen, denn mit dem Elend möchte man nicht in Berührung kommen«, heißt es in der Einleitung des Kapitels.

Besonders amüsant sind auch die Zyklen »Ausländer in Paris« und »Ehesitten« - Situationen, die genau so heute noch jeden Tag vorkommen könnten. Da werden ahnungslose Touristen über den Tisch gezogen oder dargestellt, in welch verschiedenen Welten Verheiratete manchmal leben. Mann und Frau müssen demnach ständig streiten und sind nach Daumiers Ansicht »in einer Hassliebe wie Hund und Katz verbunden«. Eheliche Harmonie sei nur ein Zustand gänzlicher Erschöpfung, wenn also beide - wie im Krieg - des Kämpfens müde geworden sind.

Deshalb kann man nach Lektüre des Bildbandes die Worte seines Dichterfreundes Charles Baudelaire nur bestätigen: »Ein Spötter ist's und scharf sein Scherz« - damals, wie heute.

Teile von Daumiers immenser Schaffenskraft sind noch bis zum 31. August in der Ausstellung der Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

Sabine Köhnkow

Mössiner, Ingrid und Sagner, Karin (Hrsg.). Honoré Daumier, Christof Kerber Verlag, Bielefeld, 269 Seiten, 48 Euro, ISBN: 978-3-86678-168-9, zweisprachig.

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