08. Juli 2008, 17:36 Uhr

Spannungsreich und präsent

Die romanische Basilika von Kloster Eberbach mit ihren Gurtbögen und Kreuzgratgewölben eignet sich - wie sich am Freitag wieder zeigte - akustisch ganz ausgezeichnet auch für gewaltige Klangmassen. Der Nachhall ist gering und kalkulierbar, die musikalischen Strukturen bleiben immer klar erkennbar. Im Gotteshaus gastierte das WDR-Sinfonieorchester Köln unter Eliahu Inbal mit Gustav Mahlers »Kindertotenliedern« und Anton Bruckners 2. Sinfonie c-Moll
08. Juli 2008, 17:36 Uhr

Die romanische Basilika von Kloster Eberbach mit ihren Gurtbögen und Kreuzgratgewölben eignet sich - wie sich am Freitag wieder zeigte - akustisch ganz ausgezeichnet auch für gewaltige Klangmassen. Der Nachhall ist gering und kalkulierbar, die musikalischen Strukturen bleiben immer klar erkennbar. Im Gotteshaus gastierte das WDR-Sinfonieorchester Köln unter Eliahu Inbal mit Gustav Mahlers »Kindertotenliedern« und Anton Bruckners 2. Sinfonie c-Moll im Rahmen des Rheingau Musik Festivals. Den Liederzyklus sang die Tschechin Dagmar Pecková.

Die Verzweiflung und Trauer über den frühen Verlust seiner Kinder hat Friedrich Rückert (1788-1866) in ergreifende Gedichte gefasst, Gustav Mahler (1860-1911) verlieh fünf von ihnen melancholische, dramatische und friedvolle Züge. In »Nun will die Sonn' so hell aufgehn« nahm das Orchester die Aufgewühltheit des Textes auf, und die Mezzosopranistin gab einen ominösen Unterton hinzu. Pecková verfügt über vollklingende Tiefen, eine ausgewogene Mittellage und tragende Höhen; die innere Dramatik und Tiefe des Ausdrucks kam allerdings nicht immer über die Rampe. »Tristan«-Nähe (»Nun seh ich wohl«) und surreale Züge im Leierkasten-Motiv (»Wenn dein Mütterlein«) gewannen suggestive Gestalt. Das fast heitere Schwingen und Schwelgen in Erinnerung (»Oft denk ich, sie sind nur ausgegangen«) berührte stark, und einige »himmlische« Passagen des sonst sturmbewegten »In diesem Wetter« wiesen gar passender Weise auf die folgende Bruckner-Sinfonie hin. Das WDR-Sinfonieorchester unter der souveränen Leitung von Inbal produzierte ein sehr plastisches, dynamisch bewegtes Mahler-Klangbild.

Diese hohe Präsenz wirkte sich auch bei Bruckners »Zweiter« positiv aus: Spannungsreich, in straffem Tempo, jedoch nie hastig kamen die ausgedehnten vier Sätze zu Gehör.

Aus schwirrenden Geigen erhebt sich das Thema, ähnlich wie in der »Siebten« eine Art entrückter Kathedralenvision. Die Celli geben das Hauptmotiv vor, das die Sinfonie durchzieht und dann im Schluss in strahlendem Dur apotheotisch leuchtet. Die Bläser präsentierten sich geschmeidig und mit Schönklang. Über allem thronte der höchst konzentriert agierende Schlagzeuger mit seiner steten Präsenz.

Das feierliche Adagio erklang unter der Hand des Bruckner-Spezialisten Inbal sehr verinnerlicht und emphatisch. Fast eine Walpurgisnacht-Assoziation stellte sich im Scherzo ein, wenn Schwelgerisches mit polternden Passagen kontrastiert. Das beflügelte Zusammenwirken von Klangkörper und Dirigent ergab eine ungemeine Dichte und in den Details ausgefeilte Wiedergabe.

Das Publikum in der ausverkauften Spielstätte feierte Orchester und Dirigent begeistert nach diesem intensiven Bruckner-Erlebnis.

Olga Lappo-Danilewski



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