09. Dezember 2015, 10:23 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik »Henni« Nachtsheim über ein SM-Studio, eine Party und eine Wunschliste.
09. Dezember 2015, 10:23 Uhr

Ach Herr Nachtsheim, was hat uns denn da der Nikolaus am Sonntagnachmittag beschert? Das war nicht nur die Rute...

Henni: ... genau, das war schon eher ein komplettes SM-Studio!

Als Eintracht-Fan fühlte man sich wie auf der Streckbank, dazu ausgepeitscht und erniedrigt. Herr Nachtsheim, habe ich sie jetzt bei einer Selbstgeißelung erwischt oder haben Sie sich in den dunkelsten Keller verkrochen? Oder trifft gar beides zu?

Henni: Weder noch. Da ich ja jede Woche »Hennis Eintracht EKG« für youtube drehe, kann ich mich da zumindest abreagieren. Wenn man will, ist das meine ganz persönliche Therapie – die mir der HR auch noch bezahlt!

Die jetzige Jahreszeit hat aber auch was Gutes. Man wird bei der nun früh einsetzenden Dunkelheit auf dem Nachhauseweg nicht so schnell erkannt.

Henni: Falsch. Mein Kopf hat vor lauter Zorn dermaßen rot und hell geleuchtet, dass mich Leute noch aus zehn Metern Abstand gegrüßt haben. Ganz abgesehen davon, dass ein Auto tatsächlich vor mir angehalten und der Fahrer drauf gewartet hat, dass es grün wird.

Ich möchte Sie nun wirklich nicht ärgern oder dergleichen mehr. Allerdings können wir die 0:1-Niederlage im Hessenderby nicht ungeschehen machen, haben Sie vielleicht im Vorfeld schon mit so etwas gerechnet?

Henni: Mein Verstand hat mir signalisiert, dass Darmstadt aufgrund seiner stabileren Mentalität vermutlich gewinnt, mein Fan-Herz hat auf 4:1 für die Eintracht getippt. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das ein eindeutiges Plädoyer für den Verstand ist – aber mein Herz besteht darauf, weiter von guten Ergebnissen träumen zu dürfen.

Der Siegtreffer von »Captain Sulu« war nun wirklich kein außergalaktisches Ereignis »made by Raumschiff Enterprise«. Eine Standardsituation, zwei Darmstädter gegen einen Frankfurter im SGE-Strafraum, und schon ist der Ball drin. So einfach geht es, warum nicht bei der Eintracht?

Henni: Weil derzeit gar nichts geht, nicht mal die einfachsten Dinge. Es ist wie auf einer Party: während die anderen bereits mit dem dritten Bier im Kopf ausgelassen feiern, versuchen unsere Jungs immer noch mit ihren zittrigen Fingern, die erste Flasche aufzubekommen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Spieler bewusst und absichtlich keine Gegenwehr zeigen. Und gegen den Trainer zu spielen, ist eigentlich auch nicht vorstellbar. Was ist da los?

Henni: Es ist ein kollektiver Verunsicherungszustand, der mittlerweile auch die obere Etage erreicht hat. Ich habe Heribert Bruchhagen selten so mitgenommen erlebt wie am Sonntag. Alle stecken in einer Art Strudel, und im Moment weiß man nicht, wer in der Lage ist, dagegen anzukämpfen. Allerdings ist so ein Zustand manchmal auch hilfreich, weil die Zeiten von Schönfärberei und Selbstbeschiss eindeutig vorbei sind.

Wie kann es jetzt weitergehen, Trainer Armin Veh hat am Sonntag schon einmal klargestellt, dass ein Rücktritt nicht infrage komme. Was kann er tun?

Henni: Das Problem für Armin Veh ist, dass er sich eine zweite Kapitulation wie in Stuttgart nicht leisten kann, das würde seinen Ruf ligaweit mehr als nur ankratzen. Dazu kommt, dass Heribert Bruchhagen bekanntermaßen loyal und keiner ist, der mal eben den Trainer rausschmeißt. Zwei Umstände, die es den Beteiligten nicht leichter machen. Bleibt also nur, dass Armin Veh sich selbst zumindest ein bisschen neu erfindet und uns zeigt, dass er mehr drauf hat, als ihm das derzeit die meisten zutrauen!

Zum Ende eines weitgehend fairen Derbys haben Frankfurter Fans Darmstädter Flaggen im Station angezündet. Was soll das? Was wollen uns diese Fans damit sagen?

Henni: Ich habe gehört, dass sie die Fahnen eigentlich aufgehängt haben, um die Darmstädter Fans auf der anderen Seite zu grüßen. Und weil man sie in der Dunkelheit nicht so gut sehen konnte, haben sie versucht, sie mit Feuerzeugen anzuleuchten – und dabei haben sie sie versehentlich angesteckt.

Das leuchtet ... ein. Die Weihnachtspause steht bevor. Sie als SGE-Anhänger dürften eine lange Wunschliste erstellt haben. Was steht an erster, zweiter Stelle?

Henni: An erster, dass wir die Pause dazu nutzen, in uns zu gehen, um zu alter Bescheidenheit zurückzufinden, die es uns ermöglicht, endlich mal wieder einen realistischen Blick auf unsere überhöhten Ansprüche zu werfen. An zweiter Cristiano Ronaldo.

Das SM-Studio vom Nikolaus hat uns am Sonntag wirklich gereicht, jetzt freuen wir uns auf feine Gaben durch das Christkind. Ein Geschenk gab es schon einmal, Gladbach besiegt Bayern. Wird es noch einmal spannend in der Bundesliga?

Henni: Nein, natürlich nicht. Nur weil sich einer mal getraut hat, einem Multimillionär auf die Windschutzscheibe seines Rolls-Royce zu spucken, muss der danach nicht gleich in die Werkstatt, sondern schaltet kurz den Scheibenwischer an und fährt dann unbeeindruckt weiter.

Apropos Zukunft: Ich traue mich fast nicht, diese letzte Frage zu stellen: Spielt die Eintracht in der Saison 2016/17 noch in der ersten Bundesliga?

Henni: Was die Damen-Mannschaft im Feldhockey angeht: eindeutig ja!

Wie beruhigend, sehr beruhigend.

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