25. November 2015, 11:03 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik »Henni« Nachtsheim über eine Art »Fußball-Lindenstraße«, ein Haifischbecken und ein bisschen mehr Rocky.
25. November 2015, 11:03 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, dürfte ich Sie um ein paar Blanko-Unterschriften bitten. Ich will damit natürlich nichts Unanständiges anstellen. Glauben Sie, dass auch »Kaiser« Franz nur Gutes im Sinn gehabt hat damals, vor der WM-Vergabe im Jahr 2000, als er Blanko-Unterschriften ausstellte?

Henni: Jo mei, der Franz wird sich gedacht haben – »Gute Freunde kann niemand trennen« – schon gar nicht wegen ein paar läppischer Unterschriften.

Nur Gutes war auch über Jahre aus oder von der DFB-Zentrale zu hören. Vieles ist plötzlich im Fluss und ändert sich. Der Deutsche Fußball-Bund ist inzwischen quasi führerlos. Ist das ein Science Fiction, der da gerade abläuft, oder ist das real?

Henni: Ich würde sagen, von den Intrigen und den teilweise verwirrenden Wechselspielchen her ist es eher eine Art »Fußball-Lindenstraße«. Vielleicht empfinde ich das aber auch nur, weil mich Theo Zwanziger an Mutter Beimer erinnert.

Hand aufs Herz, haben Sie bis vor einer Woche schon einmal den Namen Reinhard Grindel gehört?

Henni: Nein. Aber den Namen Barack Obama habe ich auch erst kurz vor seiner Wahl wahrgenommen. Das hat also nichts zu sagen. Ich muss aber einräumen, dass es ansonsten zwischen den beiden auf den ersten Blick eher keine weiteren Ähnlichkeiten gibt.

Nun gut, er soll Wolfgang Niersbach nachfolgen. Jenen Niersbach, der vor Wochen noch als Sepp-Blatter-Nachfolger im Gespräch gewesen ist. So tief kann die Eintracht nicht fallen, oder?

Henni: Eigentlich nicht, es sei denn, es stellt sich raus, dass sie die Deutsche Meisterschaft 1959 damals auch gekauft hat!

Das Verlässliche momentan bei den Frankfurtern ist die Unzuverlässigkeit. 1:3 gegen Leverkusen kann man verlieren. Aber musste das sein?

Henni: Rein sportlich gesehen ja, weil in diesem Fall die bessere Mannschaft gewonnen hat. Bleibt allerdings die Frage nach der Einstellung bzw. warum die Mannschaft eigentlich um die Stärken des Gegners weiß und dann trotzdem solche Fehler macht. Wie kann man gegen ein so hochstehendes, früh attackierendes Team so dilettantisch hinten raus spielen? Das war so, wie wenn man mit einem blutigen Steak um den Hals ins Haifischbecken springt.

Nach der Verletzung von Castaignos hat Armin Veh statt einem Stürmer einen Verteidiger gebracht. Was dem Offensivspiel der Eintracht nicht unbedingt von Nutzen war.

Henni: Das stimmt. Ich glaube, es wäre besser gewesen, über den Stadionsprecher fragen zu lassen, ob zufällig ein Stürmer im Publikum ist. Das hat man ja bei den Schiris früher auch manchmal gemacht, wenn einer ausgefallen ist.

Interessanter Vorschlag, durchaus!

Henni: Ja, ich überlege gerade, ob ich nicht doch den Trainer-Schein machen soll.

Schauen wir in die Zukunft, die nur noch besser werden kann. Erst in Mainz, dann im eigenen Stadion gegen Darmstadt. Das sind doch Festspiele für jeden Frankfurter Anhänger. Auch für Sie?

Henni: Bei Siegen sind es Festspiele. Niederlagen speziell in diesen Spielen sind eher Gründe, schnell zum Arzt zu gehen und sich krankschreiben zu lassen, bevor einen die 05- oder Lilienfans unter den Kollegen (und die gibt es überall) fertigmachen! In meinem Fall wären das übrigens Sven Hieronymus (Mainz) oder mein Badesalz-Partner Gerd (Darmstadt).

Wenigstens ein Sieg sollte herausspringen, sonst droht der Sturz in Richtung Tabellenkeller. Nicht zu glauben, wenn man sieht, das biedere Berliner auf Platz vier stehen und aufgestiegene Ingolstädter immerhin auf Rang acht.

Henni: Ja, aber auch wenn ich kein Fan dieser beiden Vereine bin, muss man anerkennen, dass sie ihre technischen oder spielerischen Defizite zumindest durch mannschaftliche Geschlossenheit wettmachen. Rocky war im ersten Film ja auch noch kein Superboxer, aber dafür hat er gegen Apollo Creed alles gegeben. Und ein bisschen mehr Rocky könnte der Eintracht zurzeit echt guttun.

Von Frankfurt nach Frankfurt: Wäre Heribert Bruchhagen ein geeigneter Kandidat als DFB-Präsident?

Henni: Ja, das wäre der Beste. Er ist integer, schlau, hat einen guten Blick auf die Verhältnisse der Liga und kennt sämtliche Pappenheimer. Ich würde ihn sofort wählen. Dass er mir versprochen hat, mich dann zum Vizepräsident zu machen, hat mit dieser Einstellung übrigens nichts zu tun!

Vielleicht springt für mich noch der Posten des Mediendirektors heraus ... der Kaiser würde den Vertrag bestimmt blanko unterschreiben.

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