28. Oktober 2015, 18:03 Uhr

»Der Pate«: Harfenklang zum Auftragsmord

Ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann: Das Epos »Der Pate« gastiert mit großem Orchester in der Alten Oper Frankfurt und schwelgt in der unsterblichen Filmmusik Nino Rotas. Gezeigt wird das dreieinhalbstündige Mafia-Meisterwerk von Francis Ford Coppola in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln.
28. Oktober 2015, 18:03 Uhr
Mit Live-Orchester noch eindrucksvoller: Marlon Brando als Don Vito Corleone. (Foto: Paramount Pictures)

Ein Insider brachte es einst auf den Punkt: Coppolas »The Godfather« glorifiziert die Mafia derart, dass es niemanden wundern würde, wenn der Etat für den Film aus Quellen der Cosa Nostra stammt. Woran liegt es nur, dass man sich bis heute nicht Marlon Brandos Bulldoggen-Charme als scheinbar allmächtigem Clanchef Vito Corleone entziehen kann – selbst, wenn er gleichzeitig Katzen streichelt und Auftragsmorde befiehlt, und dass man immer wieder sehen will, wie sich Al Pacino vom umjubelten Kriegshelden zum Mafia-Kronprinzen wandelt?

Zum einen haben Mario Puzos oscarprämierte Vorlage, Coppolas meisterliche Regie und die kunstvoll unterspielenden Schauspieler ihren Anteil am Ruhm. Zum anderen wird an diesem Abend in der fast ausverkauften Alten Oper deutlich, dass Nino Rotas stilvolle Komposition, die von der ersten klagenden Trompete bis hin zur sizilianischen Pastorale eine unvergleichliche Atmosphäre erzeugt, in ihrer Güte bisher unterschätzt worden ist. Dass Rota auch für Fellini komponierte, wissen viele. Dass er sich als klassischer Komponist betrachtete, der zehn Opern und mehr als 23 Bühnenkompositionen geschrieben hat, die wenigsten.

Seine elegisch grundierte Filmmusik setzt den Mafia-Machos mit ihrer kunstvollen Mischung aus kalter Berechnung, unverhohlenem Machtanspruch und müder Todesbereitschaft ein unverrückbares Denkmal. Nicht nur für eingefleischte Fans ist die musikalische Raffinesse des technisch verstärkten Philharmonischen Orchesters von Flandern unter dem Dirigat von Justin Freer in jeder Hinsicht ein Genuss. Einfach umwerfend, wie sich beim schmissigen Walzer der Hochzeitsszenen die Alte Oper zur sizilianischen Riesenfete wandelt und man glaubt, mit am runden Tisch zu sitzen, wenn Al Pacino Diane Keaton am Rande der Feier zu erklären versucht, was »an offer you can not refuse« bedeutet.

Auffällig viele locker gekleidete ältere Herren sind im Publikum auszumachen, dazwischen italienische Pärchen, die Selfies vor der Riesenleinwand knipsen, auch Cliquen aus jungen Männern, die sich respektheischend mit Undercut, Lederschlipsen und grauen Anzügen in Szene setzen. Das weibliche Geschlecht ist in jedem Alter vertreten und fiebert seufzend mit, wenn Al Pacino seinen begehrlich dunklen Blick auf seiner Verlobten ruhen lässt. Nur bei einigen grässlich gefilmten Auftragsmorden halten sich manche ältere Damen entsetzt die Augen zu, obwohl sie längst wissen, wohin das Blut spritzen wird. Dass ein 43 Jahre alter Streifen, in dem Frauen größtenteils nicht mehr tun als lautstark losheulen, im Sugo al pomodoro rühren und die Mafiabrut großziehen, beide Geschlechter immer noch fasziniert, ist in emanzipierten Zeiten bemerkenswert. Auch, dass Film- und Musikliebhaber bereit sind, Kartenpreise bis zu 98 Euro für dieses Live-Erlebnis zu bezahlen.

Man kann es politisch korrekt drehen und wenden, wie man will, all das spricht für ein Meisterwerk, das sich den Titel »legendär« aufgrund von Generationen heißer Fans verdient hat.

Bettina Boyens

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