29. Mai 2015, 10:19 Uhr

Ausgesprochen Henni

(htr) Hendrik "Henni" Nachtsheim bewertet den Rücktritt von Schaaf als "Niederlage für den Verein". Er erklärt, welchen tieferen Sinn der Hit der Toten Hosen "Hier kommt Alex" hat, und er sagt, wie sehr er sich über das Hessen-Derby mit Darmstadt freut: "Es ist, wie wenn man jahrelang vegan gegessen hat und endlich wieder in eine echte Bratwurst beißt."
29. Mai 2015, 10:19 Uhr
Hallo Herr Nachtsheim, da war ja am Samstag in der Commerzbank-Arena eine Menge los und supergute Stimmung. So wünschen wir uns das öfters, als Dauerzustand am besten?
 
Henni: »Ja, so wie ich mir jeden Tag gutes Wetter, auch ohne Arbeit regelmäßige Geldeingänge auf meinem Konto und ewige Jugend wünsche. Sie sehen, ich schätze Ihren Wunsch als total realistisch ein!«
 
Nur einer hatte wohl keine supergute Stimmung in sich, hat Sie der Rücktritt von Thomas Schaaf am Dienstag nicht auch überrascht?
 
Henni: »Eindeutig ja! Ich bin davon ausgegangen, dass das ganze durchschaubare Geplänkel und Gehetze in bestimmten Frankfurter Medien keine Wirkung zeigen wird.«
 
Schaaf beklagte Aussagen und Darstellungen seiner Person und Arbeit in der Öffentlichkeit, ist sein Rücktritt nicht angenehm konsequent?
 
Henni: »Überhaupt nicht. Sein Rücktritt ist eine Niederlage für den Verein und für ihn selbst und ein Sieg derer, die ihn mit unlauteren Mitteln vom Hof jagen wollten. Ich bin allerdings überrascht, dass er tatsächlich so schnell hinwirft, ich hätte ihm nach all der Bundesliga-Erfahrung ein dickeres Fell und mehr Gelassenheit zugetraut.«
 
Haben Sie schon eine Person im Auge, die zur Eintracht passen würde?
 
Henni: »Wenn Sascha Lewandowski tatsächlich von irgendwelchen Intriganten hinter dem Rücken des Vorstands angesprochen worden ist, dann wäre es nur gerecht, wenn es mit ihm am Ende nicht klappt. Ich selbst finde trotz seiner Entlassung bei Hannover Tayfun Korkut gut, halte ihn für einen schlauen Trainer, der zudem ausgesprochen sympathisch daherkommt. Wäre zumindest mal eine Überlegung wert!«
 
 
Alex Meier wurde als Torschützenkönig ausgezeichnet, obwohl er gefühlt seit Ewigkeiten verletzt zum Zuschauen verdammt ist. Hätten Sie damit noch gerechnet?
 
Henni: »Zumindest habe ich die Füße der kleinen Vodoo-Puppen von Lewandowski und Dost tagtäglich mit Stecknadeln torpediert und beiden Süßigkeiten geschickt, die ich mit Betäubungsmitteln präpariert habe.«
 
Mit 19 Treffern Torschützenkönig. Ein Zeichen von Schwäche der Stürmergilde? Oder ein Ausweis für die Stärke der Defensivformationen?
 
Henni: »Wenn man bedenkt, dass er am Anfang der Saison nicht gespielt hat und jetzt seit Wochen verletzt ist, ist es vor allem der Beweis, wie gut Alex Meier ist! Die Toten Hosen wussten damals schon, warum sie einen ihrer Hits ›Hier kommt Alex!‹ nennen.« Auf vielen Plakaten war zu lesen: »Alex Meier, Fußball-Gott«.
 
Bei allem Respekt vor Meiers Leistungen, sollten wir auf solchen Personenkult nicht besser verzichten?
 
Henni: »Ja, aber wenn es nun mal einfach zutrifft, dann kann man da nichts machen. Und mal ehrlich: wenn Sie morgen jemand ›Kolumnen-Hero‹ nennt, werden Sie sich auch nicht mit Händen und Füßen dagegen wehren!«
 
Dann aber doch eher Kolumnen-Gott. Wie dem auch sei, Platz neun nach dem 2:1 gegen Leverkusen, wie fällt Ihr Saisonfazit aus?
 
Henni: »Sagen wir es so, wenn man im Lauf einer Saison regelmäßig immer wieder eine geknallt bekommt und am Ende trotzdem zufrieden und ohne ernsthafte Verletzungen in den Spiegel schauen kann, dann hat man tatsächlich längst nicht alles falsch, sondern vieles auch richtig gemacht!«
 
Und was darf es nächste Saison sein?
 
Henni: »Ich fände es gut, wenn man der Mannschaft verklickert, dass es nach Siegen bzw. guten Spielen gegen Top-Teams nicht zwingend notwendig ist, danach gegen schwächere Gegner zu verlieren. Das könnte in Zukunft von großem Nutzen sein! Ich persönlich glaube an Platz sieben!«
 
 
Jürgen Klopp hat sich vorerst verabschiedet, Christian Streich ist abgestiegen, Sebastian Kehl hat sich wie einige andere Spieler in den sportlichen Ruhestand verabschiedet. Wen oder was werden Sie am meisten vermissen?
 
Henni: »Christian Streich! Für mich ist er das ›gallische Dorf‹ unter den Fußball-Schaffenden, er ist sympathisch, er ist akribisch, er wehrt sich mit Händen und Füßen, und ich glaube ihm, dass er ist, wie er ist. Ich hoffe, dass er auch in Liga 2 weitermacht und wir ihn dann wieder oben sehen!«
 
Anders gefragt, worüber sind Sie froh, dass sie ihn oder es nicht mehr ertragen müssen?
 
Henni: »Felix Magath ist ja schon etwas länger weg, das fand ich schon mal ganz angenehm. Und vielleicht haben wir ja Glück und er findet für die nächsten Jahrzehnte eine Anstellung in Asien oder Afrika … und überredet Matthias Sammer, ihm zu folgen.«
 
Der Hamburger SV hat sich schon wieder in die Relegation gewurschtelt. Diesmal gegen den Karlsruher SC. Wer von beiden schafft es bzw. für wen drücken Sie die Daumen?
 
Henni: »Da ich Verwandte in Karlsruhe habe, mir Süd-Vereine meist näher als Nord-Vereine sind und sich der HSV in den letzten Jahren systematisch aus allen Sympathie-Bereichen gespielt hat, brauche ich da nicht zu überlegen! Das Einzige, was es etwas ambivalent macht, ist, dass Bruno Labbadia Hesse ist.«
 
Der SV Darmstadt 98 ist beiden Vereinen voraus, hat die Bundesliga-Zugehörigkeit jetzt schon sicher. Beim Gedanken an ein echtes Hessen-Derby in der Bundesliga seit vielen, vielen Jahren, was geht da in Ihnen vor?
 
Henni: »Ich bin so glücklich darüber, dass ich gar nicht weiß, wie ich es sagen soll. Es ist, wie wenn man jahrelang vegan gegessen hat und endlich wieder in eine echte Bratwurst beißt. Oder statt im Luxus-Hotel wieder im Zelt übernachtet! Oder statt die Klimaanlage anzuschalten das Fenster aufmachen kann. Oder wieder, wie wenn man eine echte Freundin hat statt dieser Gumm…«
 
Herr Nachtsheim!
 
Henni: »Tschuldigung! Aber Sie sehen ja, wie doll ich mich freue!«
 
Überhaupt Hessen: Der FSV Frankfurt hat die 2. Liga gehalten, Kickers Offenbach klopft in Relegationsspielen gegen Magdeburg an die Tür zur 3. Liga. Hessen auf dem Weg zur fußballerischen Großmacht ...
 
Henni: »Wobei wir bezüglich Ihrem realistischen Einschätzungsvermögen wieder bei Ihrer Eingangsfrage wären.«

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