15. April 2015, 16:23 Uhr

Ideal zur Prävention: "7000 Schritte am Tag"

Langfristig gesund und fit zu bleiben, ist kein Zufall. Wir können es uns durch Sport, Ernährung und eine bewusste Lebensführung erarbeiten. Ein Sportmediziner aus der Region erklärt, worauf wir zu achten haben. Er sagt:»Ein Hund ist für die Prävention ideal.«
15. April 2015, 16:23 Uhr

Sven Nordmann führte das Interview

Wahre Gesundheit ist etwas, für das wir stark selbst verantwortlich sind. Wer sich regelmäßig bewegt, hat nicht nur mehr Spaß an der eigenen Leistungsfähigkeit, sondern lebt auch gesünder. Der Arzt kommt erst ins Spiel, wenn wir bereits krank sind. Der Schlüssel für ein langes Leben liegt zu einem beträchtlichen Teil in der Prävention. Dr. Karsten Krüger (37), Sportmediziner und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, was jeder machen sollte.

Warum ist Prävention so wichtig?

Dr. Karsten Krüger: »Tritt eine Erkrankung auf, ist sie oftmals nur noch behandelbar, aber nicht mehr heilbar. Durch die Prävention können Krankheiten in ihrer Entstehung verzögert oder soger verhindert werden. Insgesamt kann natürlich auch das Gesundheitssystem kostenmäßig enorm geschont werden.«

Wie handle ich präventiv?

Krüger: »Durch viel Bewegung und eine bewusste Ernährung (siehe rechts). Im Sport gilt nicht die These: Viel hilft viel. Eine dosierte Herangehensweise bringt den optimalen Erfolg. Pro Woche sollte jeder durch die Bewegung 2000 bis 3000 Kilokalorien verbrennen. Das ist optimal.«

Das entspricht im Durchschnitt...

Krüger: »An drei bis fünf Tagen in der Woche eine halbe bis dreiviertel Stunde sportlich aktiv sein. Schwimmen, laufen, Fahrrad fahren bei 50 bis 70 Prozent der Leistungsfähigkeit. Dieses Ausdauertraining ist die Basis.«

Für einige ist das schon zu viel, andere starten mit Übermut.

Krüger: »Den Fall, dass sich Sportler übernehmen wollen, haben wir viel öfter. Es gilt: Vorsichtig beginnen, die Belastung steigern. Je langsamer, aber konstanter wir die Reize erhöhen, desto stärker wächst der Bewegungsapparat mit. Langfristiges Denken ist wichtig.«

Was gilt zum Beispiel für einen Menschen mit deutlichem Übergewicht?

Krüger: »Vermutlich wird die Person schon vorher durch ihr Übergewicht Vorerkrankungen haben. Für das Herz und den Blutdruck ist das eine hohe Belastung. Aber sie muss natürlich etwas tun. Ihr Bewegungsapparat würde das hohe Gewicht beim Joggen noch nicht tragen können. Sie sollte zum Beispiel mit Nordic Walking anfangen. Wenn sie Gewicht verloren hat, kann sie auch umsteigen.«

Das alles ist Ausdauer. Aber auch Muskeltraining ist für den Körper von hoher Bedeutung.

Krüger: »Ab dem 30. Lebensjahr verlieren wir konstant an Muskelmasse – dem sollte man entgegenwirken. Muskeltraining hilft, autonom zu bleiben. Es ist ähnlich wichtig wie das Ausdauertraining und sollte mindestens einmal pro Woche betrieben werden. Unsere Muskulatur ist ein Garant dafür, lange aktiv, gesund und fit zu bleiben.«

Das sollte man alles über Jahre fortführen.

Krüger: »Die Prävention sollte keine Phase der Inaktivität haben. Leider gibt es bei vielen diese Phase zwischen dem dritten und vierten Lebensjahrzehnt, wenn die Kinder kommen und der Berufsstress zunimmt. Dann verlieren viele den Draht zum Sport. Das hat Folgeschäden, sie werden krank. Rücken, Hüfte, andere Gelenke. Und dann können sie nicht mehr richtig Sport treiben. Kontinuität ist eine sehr wichtige Säule.«

Und was ist mit Menschen, die überhaupt keinen Bezug zum Sport haben?

Krüger: »Für einen aktiven Alltag sorgen und auf 7000 Schritte am Tag kommen. Die meisten machen 2000 bis 4000, viele sogar deutlich weniger. Das ist zu inaktiv. Schrittzähler gibt’s mittlerweile für 15 Euro. Und man muss auch mal sagen: Ein Hund ist das beste ›Sportgerät», das es gibt. Mit dem dreifachen Spaziergang am Tag hat man seine Prävention in Sachen Ausdauer getan.«



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