09. April 2015, 10:24 Uhr

Ausgesprochen Henni

Hendrik »Henni« Nachtsheim über Brauseopfer Davie Selke und Rafael van der Vaart bei der Eintracht. Dazu gibts einen Kracherschluss von Fußball-Herbergsvater Herteux.
09. April 2015, 10:24 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, Ostern ist rum und die Eintracht hat sich nach der 2:0-Führung gegen Hannover quasi noch zwei Eier selbst ins Nest gelegt. Sind Sie wenigstens gütig beschenkt worden?
Henni: »Wie man’s nimmt. Ich hab in meinem Garten gerade mal zwei Eier gefunden. Und als ich sie geöffnet habe, waren da statt Schokolade Fotos von den beiden Gegentoren drin. Später hat sich dann rausgestellt, dass mein Nachbar dahintergesteckt hat. Und der ist gebürtiger Niedersachse.«

Das 2:0 am Samstag war die neunte Führung, die in einem Remis oder in einer Niederlage endete. Das deutet schon – um es salopp zu formulieren – auf eine Angstpsychose hin: »Hilfe, ich darf nicht gewinnen, sonst ...«
Henni: »Ich glaube, es hat eher damit zu tun, dass Thomas Schaaf den Spielern zu Saisonbeginn aufgetragen hat, ausschließlich Helden-Sagen zu lesen, weil das gut für die Motivation sei. Das hat die Mannschaft absolut befolgt, und jetzt befindet sie sich deswegen in einer Art ›Siegfried-Modus‹. Das kann man daran erkennen, dass sie vorne im Sturm ›Drachentöter‹-Qualitäten hat, die Abwehr aber dafür ihre verletzliche Achillesferse ist!«

Eine interessante Theorie, die einiges erklären würde! Und wie kann man das beheben?
Henni: »So weit ich weiß, lesen sie seit Neuestem Hannibal-Lecter-Romane, um in Zukunft etwas abgebrühter zu werden!«

Keine Worte von mir, von Torwart Kevin Trapp, sprach’s und war verschwunden: »Fußballerisch war das brutal wenig.«
Henni: »Und wer kann das besser beurteilen als er, er sieht das Ganze ja aus ausgesprochen exklusiver Lage. Ich weiß auch nicht warum, aber die Mannschaft hat einfach nicht den Glauben an sich, der ihr aufgrund ihres Potenzials zustünde, und fällt stattdessen immer wieder in diesen mentalen Dornröschenschlaf. Und Thomas Schaaf, bei allem Respekt, ist offensichtlich nicht der Prinz, der sie diesbezüglich wachküssen kann. Wobei Prinzen in der Regel auch selten ausgeleierte Trainingsanzüge tragen.«

Ist es unanständig, zu behaupten, dass die Saison irgendwie gelaufen scheint? Der Zug nach Europa ist offenbar abgefahren und der in die zweite Liga wohl auch schon ohne die Eintracht mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
Henni: »Nein, unanständig wäre es, wenn Sie der Mannschaft zum Beispiel mangelnde Kondition aufgrund zu vieler Sex-Orgien unterstellen würden oder so was in der Richtung. Es ist, wie Sie sagen: die Eintracht wird die Saison irgendwo zwischen Platz acht und zehn beenden. Was nach dem Neuaufbau im Prinzip auch trotz aller verschenkten Punkte nicht wirklich schlecht ist!«

Apropos zweite Liga. Darmstadt klopft an die Tür zum Oberhaus. Gefällt oder missfällt Ihnen, dass da möglicherweise eine neue Konkurrenz in der Nachbarschaft entsteht?
Henni: »Ich fände das super! Endlich wieder richtige Derbys, nicht so halbgare Angelegenheiten wie gegen Mainz. Darmstadt macht das großartig, die Stadt ist sympathisch … es wäre eine Bereicherung für die Bundesliga!«

Schauen wir in die Zukunft. Mats Hummels oder auch Ilkay Gündogan tragen sich mit dem Gedanken, Dortmund zu verlassen. Glauben Sie, dass sich Bruno Hübner schon die Handynummern besorgt hat?
Henni: »Bestimmt! Wobei er sich genau überlegen muss, ob wir die beiden wirklich noch brauchen ... jetzt, wo Ronaldo, Messi, Diego Costa und Jackson Martinez schon zugesagt haben.«

Okay, aber wie wäre es mit Rafael van der Vaart. Der Noch-Hamburger ist Kansas City zu teuer, also noch zu haben.
Henni: »Wäre es dann nicht konsequenter, Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski wieder spielen zu lassen? Vom Leistungs -und Fitnesszustand dürfte es ungefähr ein Level sein, und sie würden es vermutlich umsonst machen.«

Apropos Geld. U21-Nationalspieler Davie Selke wechselt von Bremen nach Leipzig. Von einem Erstligisten zu einem Zweitligisten, der aller Wahrscheinlichkeit nach Zweitligist bleiben wird nach dieser Saison. Mir fällt eine einleuchtende Erklärung für diesen Wechsel unheimlich schwer ...
Henni: »Da er in Bremen ja vermutlich auch genug verdient, um sich täglich eine warme Mahlzeit leisten zu können, und zudem ein Spieler mit großer Perspektive ist, erschließt sich mir dieser Wechsel auch nicht so richtig. Vielleicht haben sie ihn ja mit ihrer Brause gefügig gemacht. Bei zu großen Mengen kann man nämlich davon bekloppt werden.«

Wenn immer öfter Jungprofis mit Bentleys, Ferraris und Lamborghinis vor dem Trainingsplatz vorgefahren kommen und mehr über ihre Bemühungen in den sozialen Netzwerken gesprochen wird als über jene auf dem Fußballplatz, dann könnte man meinen, dass etwas schiefläuft.
Henni: »Oh sieh an, Fußball-Herbergsvater Herteux spricht! Mal ganz im Ernst, früher sind die Spieler auch schon mit teuren Autos zum Training gekommen, und statt über Facebook haben sie sich halt über schicke Klamotten oder ihre neu eröffneten Discotheken unterhalten. Das war auch nicht besser. Ganz abgesehen davon, dass ich mich nicht erinnern kann, früher bei den Interviews intelligentere Jungs gesehen zu haben als heute ... von den Frisuren ganz zu schweigen.«

Eine andere Unart: Der FC Augsburg hat den noch bis Ende übernächster Saison laufenden Vertrag mit Trainer Markus Weinzierl bis 2019 verlängert. Den mit Geschäftsführer Stefan Reuter sogar bis 2020. Das nennt man perfekte Altersvorsorge ...
Henni: »Wieso denn ›Unart‹? Es ist doch absolut in Ordnung und nachvollziehbar, die beiden Architekten des Augsburger Erfolges so lange wie möglich an den Verein zu binden! Wenn Sie morgen jemand von der Zeitung fragt, ob Sie bereit sind, bis 2040 zu unterschreiben, werden Sie doch auch zusagen, oder?

Es wird zu oft über Geld geschrieben und gesprochen. Selkes Teamkollege in Bremen, Zlatko Junuzovic, sagte: »So ist das Fußballgeschäft, ein ständiges Kommen und Gehen.«
Henni: »Vor einigen Jahren habe ich mal mit Heribert Bruchhagen über diese ständigen Wechsel gesprochen, und da hat er sinngemäß gemeint: Spieler kommen und gehen, und Verträge werden abgeschlossen, damit sie niemand einhält. Aber was immer bleibt, ist der Verein und seine Fans! Genauso seh ich das mittlerweile auch. Und das hilft ungemein!«

Dann sage ich mal passend zum Thema: Wir machen uns dann mal von dannen...
Henni: »Herr Herteux, diesem Kracherschluss ist nichts hinzuzufügen. Bis bald wieder!«

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