19. März 2015, 12:30 Uhr

Ausgesprochen Henni

Hendrik »Henni« Nachtsheim über die Eintracht auf der Autofähre, Omas Reste-Eintopf »All you can find!« und den Königstransfer von Gernot Hassknecht.
19. März 2015, 12:30 Uhr

Hallo Herr Nachtsheim, Werder Bremens Trainer Viktor Skripnik zeigte sich ... aber lassen wir ihn selbst sprechen: »Wir sind stolz auf das 0:4. Nur vier Tore gegen die Bayern, das ist besser als sechs wie im Hinspiel.« Sind wir hier im Profifußball oder in der Kreisliga?
Henni: »Diese extrem devote, ja fast schon masochistische Haltung gegenüber den Bayern beobachtet man ja mittlerweile bei fast allen Vereinen. Wobei ich es trotzdem etwas übertrieben fand, dass Skripnik während des Spiels eine schwarze Latex-Maske trug und sich mit einer Leder-Peitsche die ganze Zeit auf seinen nackten Rücken geschlagen hat!«

Die Kritik von Bremens Manager Thomas Eichin, die Bayern würden bei den Schiedsrichtern einen Bonus genießen, hat sich wohl als Bumerang erwiesen, sofort wurde den Bremern ein Strafstoß verweigert ... dies gab sogar Schiedsrichter Kinhöfer später zu.
Henni: »Ja, aber er hat ja nicht zugegeben, dass er den aus Trotz verweigert hat, sondern weil er es nicht gut genug hat sehen können. Trotzdem ist was dran an dieser These.«

Die Bayern zeigten sich von den Vorwürfen unbeeindruckt und gnädig, haben Werder nur vier Tore eingeschenkt. Die haben, wenn überhaupt, wohl andere Sorgen.
Henni: »Im Moment fällt mir da nichts ein. Als Bayern-Chef würde ich mich zwar fragen, ob ich Matthias Sammer wirklich langfristig behalten will, aber selbst das ist ja aufgrund der sportlichen und wirtschaftlichen Situation kein wirkliches Problem, sondern eher eine Frage des guten Geschmacks.«

Um den Bogen zur Eintracht zu schlagen: Wenn es im April für die Frankfurter nach München geht, wie würden Sie als Manager im Gegensatz zu Eichin den Rekordmeister im Vorfeld reizen?
Henni: »Am Besten gar nicht. Wenn du im Dschungel plötzlich einem Jaguar gegenüber stehst, macht es ja auch keinen Sinn, ihn zu provozieren und ihn so in Stimmung zu bringen, dich auseinanderzunehmen. Wobei es durchaus sein kann, dass das Vieh das auch ohne Anlass macht, einfach weil es Hunger auf dich hat. In dem Fall heißt es: Beine in die Hand und rennen, was das Zeug hält. Im übertragenen Sinne gilt das auch für die Eintracht!«

Mit dem 4:0-Ergebnis gegen den SC Paderborn hatte die Eintracht am Wochenende sogar etwas mit den Bayern gemein. Das war auch bitter nötig nach dem unwirklichen 2:4 in Köln. Auch Sie dürften erleichtert gewesen sein.
Henni: »Ich weiß nicht. Mittlerweile ist mein Gemütszustand ähnlich wie bei einer meiner früheren Beziehungen. Ich war mal mit einer Frau zusammen, die hat mich auch immer wieder becirct und betört, bis ich Wachs in ihren Händen war… und dann hat sie mich plötzlich wieder mies behandelt und enttäuscht. So ähnlich macht das die Eintracht seit Wochen auch mit uns. Von daher ist Erleichterung nicht ganz passend, ich würde es eher ›vorübergehend besänftigte Skepsis‹ nennen.«

Auch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen hat schnell die Freude gedämpft, sprach von einem richtungsweisenden Sieg mit Blick auf den Klassenerhalt. Hat es so schlimm um die Eintracht gestanden?
Henni: »Sagen wir es so: auf der Autofähre, die insgesamt 15 Fahrzeuge aufnehmen kann, um die dann sicher zum rettenden Ufer zu bringen, stehen zurzeit sieben Autos. Die Fahrer der anderen müssen bis zum Saisonende unter sich ausmachen, wer noch mitdarf. Aber da steht die Eintracht in der ersten Reihe, und ich glaube, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis der Fährmann ihr grünes Licht gibt!«

Paderborns Trainer Andre Breitenreiter sah seine Mannschaft »wie einen Absteiger spielen«, jetzt geht es für Frankfurt nach Stuttgart zu einem potenziellen Absteiger. Was ist da drin? In den letzten Jahren war Stuttgart stets so etwas wie ein Angstgegner.
Henni: »Dass gewonnene Heimspiele für das Auswärtsspiel bei einem vermeintlich schwächeren Gegner so viel Aussagekraft haben wie das Horoskop in der ›Bild‹, ist ja nichts Neues. Und dass Stuttgart kein Lieblingsgegner ist, stimmt auch. Trotzdem wäre es schön, wenn die Eintracht mit Siegen dort und dann gegen Hannover dafür sorgt, dass es noch mal eine enorm spannende Saison werden kann, und zwar was die Europa-Qualifikation angeht.«

VfB-Trainer Huub Stevens hat nach dem 0:4 – schon wieder dieses Ergebnis – stolz verkündet, dass er die Mannschaft noch erreiche. Per Mail, WhatsApp oder mit dem Megafon vielleicht. Aber mal im Ernst: irgendwie kann es auch nicht sein, dass immer der Trainer schuld ist.
Henni: »Nein, ganz sicher nicht. Aber wenn es schon so ist, dass man mit einer Entlassung eine Mannschaft aufrüttelt, dann könnte man statt des Trainers zum Beispiel einfach mal den Zeugwart rausschmeißen. Wer weiß, ob das nicht genauso viel bringt!«

Die Eintracht ist nun wieder einen Tick unberechenbarer bzw. variabler geworden mit der Rückkehr von Nelson Valdez. Der wird nach sechs Monaten Verletzungspause eingewechselt und macht gleich sein Tor. Ein perfektes Drehbuch, wer hat das geschrieben?
Henni: »Eindeutig Rosamunde Pilcher! Kitschiger und rührender geht es nicht!«

Und Bastian Oczipka hat bis 2018 verlängert. Was fehlt jetzt noch zum totalen Glück?
Henni: »Cristiano Ronaldo, Messi oder Harry Kane von Tottenham! Wenn man die aber nicht bekommt, könnte man auch mal über ein ganz anderes Modell nachdenken und zum Beispiel statt einem Spieler jemanden wie Gernot Hassknecht aus der ›heute-show‹ verpflichten. Ich bin sicher, dass er mit seinen cholerischen Anfällen im gegnerischen Strafraum für absolute Verwirrung sorgen würde!«

Zambrano hat sich verletzt, die Partie endete für ihn mit dicken Eisbeuteln um den Knöchel. Wie kann man ihn schnell wieder fit kriegen? So mit ganz viel Rindfleisch? Er ist ja Südamerikaner…
Henni: »Da die peruanische Küche ursprünglich eine Mischung aus afrikanischen, chinesischen, japanischen, italienischen, französischen und englischen Gerichten ist, dürfte es auch ein Reste-Eintopf tun. ›All you can find!‹, wie man heute sagt. Meine Oma mütterlicherseits war Spezialistin darin. Wenn sie sonntags den Topf auf den Tisch gestellt hat, hat sie immer gesagt: ›Vertraut mir einfach!‹«

Wo ist hier die nächste Toilette ...

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