Regional

Ausgesprochen Henni

Hendrik »Henni« Nachtsheim über Fasching, Nutella und die Eintracht als Ü-Ei.
18. Februar 2015, 18:13 Uhr
henni

Hallo Herr Nachtsheim, haben sie die »tollen Tage« im Faschings- bzw. Karnevalstrubel gut überstanden?

Henni: »Ja, das war relativ einfach. Ich bin nämlich nicht weggegangen und habe dementsprechend auch nichts mitbekommen.«

Es gibt Personen, die freuen sich das ganze Jahr auf diese Jahreszeit. Andere können nicht begreifen, was sich da in den letzten Tagen alles abgespielt hat. Zu welcher Gattung gehören Sie?

Henni: »Zu einer dritten: Ich freue mich nicht drauf, weil ich begriffen habe, was sich da immer abspielt!«

Als wären die Jecken nicht schon genug, so muss man am Faschingswochenende auch noch jene Nachricht verdauen – keine Sorge, wir kommen sofort zur Eintracht – Michele Ferrero ist tot!

Henni: »Das klingt nach einem italienischen Porno-Star...«

Das sagt Ihnen nichts? Ferrero war der Erfinder des bekanntesten Nuss-Nougat-Aufstrichs, was ist schon ein Morgen ohne Nutella! Das steht doch bei Ihnen bestimmt auch auf dem Tisch.

Henni: »Ich bin eher der Wurst-und-Käse-Typ. Aber ich weiß, was Nutella ist und dass es viele Menschen gibt, die das mögen. Für die ist das bestimmt traurig. Mich würde es aber ehrlich gesagt mehr bestürzen, wenn Markus Milkana oder Siggi Scheiblette sterben würden!«

Ferrero, der der reichste Mann Italiens gewesen sein soll, hat auch das Ü-Ei erfunden. Das Überraschungs-Ei. Kommt ihnen die Eintracht nicht auch manchmal vor wie ein Ü-Ei?

Henni: »Wow, das nenne ich mal einen Übergang! Und dazu kommt, dass er inhaltlich nicht mal an den Haaren herbeigezogen ist. Ja, der Vergleich ist passend.«

Nach dem 1:4 in Freiburg noch ein 2:2 nach 0:2-Rückstand in Augsburg, 1:1 gegen VW Wolfsburg und nun sogar 1:0 gegen FC Gazprom Schalke. Aus der Eintracht wird man einfach nicht schlau, und doch können wir sehr zufrieden sein im Moment.

Henni: »Wissen ist ja keineswegs immer die Grundlage für Zufriedenheit. Die Eintracht derzeit zu berechnen ist so schwierig, wie die Größe eines Eisberges zu schätzen, von dem man nur die Spitze sieht. Aber trotzdem bin ich sicher, zu erkennen, dass die Mannschaft genug Potenzial hat, nicht in die untere Zone abzurutschen. Was sie allerdings nach oben hin noch zu bieten hat, ist schwer zu sagen!

Kevin Trapp, der hält ja besser als Sepp Maier in seinen besten Tagen. Da kann jeder Eintracht-Fan froh sein, dass der Kapitän jüngst bis 2019 verlängert hat. Mit wem müsste die Eintracht noch unbedingt verlängern?

Henni: »Mit jedem, der daran glaubt, dass in Frankfurt noch mehr drin ist als bisher, und der Bock daraufhat. Wenn einer weg will oder totale Magenschmerzen wegen der Kohle hat, soll er gehen. Das gilt auch für Zambrano! Ich will mir nicht monatelang anhören, dass er sich hier super wohlfühlt und gerne bleiben würde … und dann ist er sich auf einmal doch nicht sicher. Er weiß, was in Frankfurt geht und was nicht. Wenn ihm am Ende das Gerede seines Spielerberaters wichtiger ist als seine angebliche Vereinsliebe, soll er sich vom Acker machen. Schlimmer als die Weggänge von Rode, Jung oder Schwegler kann es auch nicht werden. Ich persönlich wäre tatsächlich besorgter, wenn Bruno Hübner weggeht.«

Was halten Sie von diesem verrückten 21. Spieltag? Acht Bayern-Tore gegen den HSV ...

Henni: »Ja, der Spieltag hatte was! Als ich das Ergebnis vom HSV gehört habe, hab ich mir gedacht, dass die jetzt bestimmt die meisten Gegentore von allen haben. Haben sie aber nicht. Die Eintracht hat immer noch elf Gegentore mehr! Da bin ich schon mal ins Grübeln gekommen.«

... und neun Tore beim Wolfsburger 5:4 in Leverkusen?

Henni: »Das Interessante daran war, dass auch die Spitzenteams großartige Totalausfälle haben können. Erst Bayer, dann Wolfsburg … auch wenn sie letztendlich noch gewonnen haben. Aber dass bei beiden das Abwehrverhalten teilweise desolat war, hat mich irgendwie beruhigt.«

Zur Randale einiger weniger Kölner Schwachköpfe im Derby in Gladbach fällt einem nichts mehr ein, oder?

Henni: »Doch, aber es ist angemessen, nicht drüber zu sprechen. Wir hatten früher in der Klasse einen Arsch, der immer alle verdroschen hat. Verprügeln konnten wir ihn nie, aber dafür haben wir ihn mit Missachtung bestraft.«

Apropos Derby: Am Samstag steht Frankfurt in Mainz auf dem Prüfstand. Hoffentlich haben die Gastgeber ausgiebig Fasching gefeiert ...

Henni: »Ja, das wäre wahrscheinlich hilfreich. Vor allem, weil wir sie bei einem Sieg dort in der Tabelle weiter auf Distanz halten können. Deswegen wünsche ich mir als Motto: ›Mainz bleibt Mainz dort wo es ist!»«

Was wird uns das Ü-Ei Eintracht diesmal bringen? Von 5:0 über 2:2 bis 0:5 ist alles drin, oder?

Henni: »Ich habe nicht mal ansatzweise eine Ahnung. Zumal das ja aufgrund von Mainz’ schwankenden Leistungen eine Art ›Überraschungseier-Treffen» ist.«

Zum Abschluss eine persönliche Frage, wann haben Sie Ihr letztes Ü-Ei gegessen?

Henni : »Vor ein paar Wochen.«

Und was war drin? Bestimmt kein Weinbembel oder Handkäs.

Henni: »Nein, ein Presskopf. Ich hatte mich schon gewundert, warum es jetzt auch bei unserem Metzger Ü-Eier gibt...«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/art68,100142

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung