19. Dezember 2018, 15:42 Uhr

Jahresrückblick 2018

Jahresrückblick 2018: Merkel, Macht und Männer

Seit 2006 ist Angela Merkel die mächtigste Frau der Welt. Nur in 2010 wurde sie von drei US-Amerikanerinnen auf Platz vier verdrängt. Nun nimmt sie langsam Abschied von den Gipfeln und den mächtigen Männern.
19. Dezember 2018, 15:42 Uhr
(Foto: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa)

Noch ist es nicht so weit. Merkel ist zwar nicht mehr Vorsitzende der CDU, aber die Macht hält sie noch in Händen. Sie ist da, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Ob es um Deutschland geht, um Europa oder um die Welt – kein Treffen der Mächtigen findet ohne die Bundeskanzlerin statt. Ob es um das Klima geht, den Brexit, die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, die große Koalition in Deutschland – an Merkel kommt niemand einfach so vorbei. Als sie verspätet zum Treffen der G 20 nach Buenos Aires kam, war der Gipfel kaum handlungsfähig.

Auch wenn man über das Jahr 2018 redet, wenn man beschreiben möchte, was wichtig war, was gescheitert und was gut gelaufen ist, spielt Merkel wieder eine entscheidende Rolle. Die Macht der Kanzlerin überträgt sich auf unser Land. Ja, Deutschland hat Einfluss. Aber leider sind wir nicht immer ein Vorbild, gehen nicht immer mit gutem Beispiel voran. Beim Klimaschutz hat die Bundesregierung hohe Erwartungen geweckt. Und ist weit dahinter zurückgeblieben. Und noch immer ist es leider so, dass wirtschaftliche Interessen alles andere überlagern. Egal, ob es da um die Beziehungen zu China geht, zu den USA, zu Russland, zu der Türkei und zu den Ländern im arabischen Raum – es gibt zu viele faule Kompromisse.

 

Amerika ist nicht mehr Amerika

Dafür trägt auch Merkel die Verantwortung. Gleichwohl hält sie irgendwie noch alles zusammen. Während die mächtigsten Männer der Welt gerade dabei sind, alles zu spalten, auseinanderzureißen, zu demontieren, was nicht fest genug verankert ist. Werte, für die der Westen stand, werden mit Füßen getreten. Amerika ist nicht mehr Amerika. Ist nicht mehr das Land der Hoffnung und des Ruhmes. Die Wahl Trumps war ein Aufbruchsignal für alle Demagogen, alle Populisten und Faschisten, die sich nicht nur in Europa bereithalten, um die Macht zu übernehmen.

In Brasilien regiert ein Mann, über den die »Süddeutsche Zeitung« schrieb: »Wann hat Jair Bolsonaro die rote Linie überschritten, die ihn aus dem Kreis der Demokraten ausschließt? Als er forderte, politische Gegner erschießen zu lassen? Den Kongress zu schließen? Den ärmsten Teil der Bevölkerung zu sterilisieren? Den Indigenen ihre Reservate wegzunehmen? ... Oder als er einer Kollegin im Parlament ins Gesicht sagte, sie sei es nicht wert, von ihm vergewaltigt zu werden.« Dieser Mann hat Macht, und es gibt andere Politiker, die ihm nacheifern würden – wenn sie könnten.

 

Siegeszug der Rechtspopulisten in Europa

In Europa geht mittlerweile der Siegeszug der Rechtspopulisten weiter. 2019 wird ein neues Europaparlament gewählt. Wenn die Rechten gestärkt daraus hervorgehen, würde das unseren Kontinent radikal verändern. Amerika hat diese Veränderungen schon hinter sich. Trump konnte zwar nicht alles zerstören, was Barack Obama aufgebaut hatte. Aber eben doch ganz viel. Der Präsident twittert, wütet, schikaniert, bläst sich auf, behandelt andere Staatsmänner wie Dreck, paktiert mit Despoten. Es ist gruselig, was derzeit im Weißen Haus passiert.

Und die anderen Mächtigen? Theresa May kämpft um ihr politisches Überleben, ihr Land mit dem Brexit. In Frankreich ist Präsident Emmanuel Macron nicht grandios gescheitert. Nein, eher kläglich. Der russische Präsident Wladimir Putin macht sein Ding, sichert sich Macht und Einfluss. Und es ist niemand da, der ihn aufhält. Aufzuhalten sind die Mächtigen in China schon lange nicht mehr. Wo man auch hinschaut: Selbstdarsteller, Machtbesessene, Diktatoren, Unverbesserliche. Dazwischen einige, die es gut meinen, aber letztlich scheitern. An sich selbst, am Volk – oder an den Selbstdarstellern und den...

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